Montag 22 Jan 2018
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Grubenwasserenergie für das ENERGETICON (GrEEN)

Mit GrEEN vom alten Förderschacht zur modernen Energiequelle


Mitten im Gelände des ENERGETICON befindet sich der etwa 900 Meter tiefe Eduardschacht. Seit Stilllegung des Steinkohlenbergbaus im Aachener Revier vor etwa 25 Jahren füllen sich die untertägigen Hohlräume, das so genannte Grubengebäude, mit Gruben- und Grundwasser. Auch die Wassersäule im ehemaligen Eduardschacht steigt täglich um etwa zwei Zentimeter. 

Die geothermische Umgebungswärme dieser Wassersäule erzeugt eine mittlere Wassertemperatur von etwa 26 Grad Celsius; genug um über eine Wärmepumpe damit teilweise die Raumheizung des ENERGETICON zu betreiben, so die Erwartung von Spezialisten. Diese Erdwärme ist eine erneuerbare Energiequelle (Geothermie), also genau das Richtige für die Raumwärmeversorgung der drei Gebäude des ENERGETICON, das Wege der Energiewende hin zu einer regenerativen Energieversorgung aufzeigt.

NRW-Umweltminister Johannes Remmel überreichte den Bewilligungsbescheid. Sein Ministerium attestiert dem Pilotvorhaben ein „besonderes Landesinteresse“. Ebenfalls der ETN-Projektträger beim Forschungszentrum Jülich und die zuständige Bezirksregierung Arnsberg unterstützten die Förderung von GrEEN.

RWE-Innogy“ erbringt einen großen Teil der Kofinanzierung.

Die Protegohaube vor der Kaue

Eduard-Schacht-Detail

 

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Eduards wechselvolle Energiegeschichte

 Die Geschichte des Eduardschachtes als verschiedenartige Energiequelle ist sehr bewegt:

  • Abgeteuft wurde er seit 1904. Eduard diente Jahrzehnte der Grube Anna II als Förderschacht des fossilen Energieträgers Steinkohle. Namensgeber war der Vorstandsvorsitzende der EBV AG von 1898 – 1909 Eduard von Oppenheim.
  • Im Oktober 1930 war er Ort eines grässlichen Bergbauunfalls mit über 270 Toten.
  • Nur sieben Monate später, nach raschem Wiederaufbau, lief die Förderung wieder an.
  • Nach Zusammenlegung der beiden Gruben Anna I und II diente der Eduardschacht seit 1957 nicht mehr als Förderschacht. Haupt- und Franzschacht auf Anna I  übernahmen seine Förderleistung.
  • Eduards Methangasabsaugung (CH 4-Anlage) lieferte seit Ende der 1960er Jahre Gasenergie für die Befeuerung der Kokerei Anna. 
  • Bis zur Stilllegung des Reviers im Jahre 1992 diente er nur noch dem Materialtransport und der Personenseilfahrt sowie weiterhin als Schacht für Bewetterung und Wasserhaltung.
  • Im Februar 1994 erfolgte der Abriss seines Fördergerüstes mit anschließender Verfüllung bis zur 153m Sohle im März. Die Gasabsaugungsanlage und die Wasserhaltungseinrichtungen von Eduard waren bis zum Ende seiner Verfüllung aktiv.
  • Der Schacht erhielt anschließend eine so genannte Protegohaube, die das Gas-/ Luftgemisch bei ansteigendem Grubenwasser kontrolliert austreten lässt. Eine Zaunanlage umgrenzt den zugehörigen Sicherheitsbereich.
  • Beginnend 2002 wurde für etwa drei Jahre dieses Gas-/ Luftgemisch des Eduardschachtes energetisch zur Verstromung und Raumwärmerzeugung in einem mobilen Grubengas-Blockheizkraftwerk genutzt. Eduard war wieder fossil getragene Energiequelle.
  • In einigen Jahren wird der normale Grundwasserstand erreicht sein.
  • 2016 begannen die vorbereitenden Ingenieurarbeiten am geothermischen Pilotprojekt GrEEN. Der Eduardschacht wird erneut zur Energiequelle, dieses Mal allerdings regenerativ.
  • 2017 konnten unerwartete technische Probleme im Schacht konzeptionell und finanziell gelöst werden. Ende 2017 beginnt die bautechnische Umsetzung des Projektes.

 (Quelle: Heinz Knisch, Erinnerungen an Anna, Alsdorf 1997)

Anna 2 damals